#LIVE-Album-Rezension: Ed Sheeran - "÷" #divide

2017 ist das Jahr von Ed Sheeran: Mit seinen Singles "Castle on the Hill" und besonders "Shape of You" sind gar nicht mehr aus den Charts wegzudenken und befinden sich - obwohl schon seit fast zwei Monaten veröffentlicht - immer noch in vielen Top10 der Single-Charts weltweit. Des Weiteren sind die beiden Tracks quasi fester Bestandteil des Radioprogramms jedes Pop-Senders. Nach nur wenigen Tagen war klar: Ed Sheeran gehört zu den festen Größeren unserer Zeit und das Material seines noch zu veröffentlichten 3. Studioalbums ist wahrscheinlich ein Instant-Evergreen. Eben genauso wie die von ihm veröffentlichten Songs. Dementsprechend groß sind die Erwartungen an "÷", aus dem wahre Fans nicht nur die Singles kennen, sondern auch die Promo-Lieder "Eraser" und "How Would You Feel (Paean)". Doch wie gut ist die Platte wirklich? Kommt sie an seine Vorgänger "+" und "x" ran? Oder wird der Hype gleich im Keim erstickt? Finden wir es doch zusammen heraus!

© Asylum Records/Atlantic Records
Das Album "÷" kann auf jedem gängigen Streaming-Dienst angehört werden, vielleicht habt ihr aber auch die CD zur Hand (:


Es ist 10 Uhr und das heißt: Los geht's! Ich bin total aufgeregt :D

1. "Eraser"
Diesen Song könnten manche von euch schon kennen, Ed hat nämlich auf einem YouTube-Kanal eine Live-Version des Tracks performt. Die Strophen werden gerappt, was ich ja immer total gut finde, denn ich finde, Ed hat eine sehr coole Rap-Stimme, die ich gerne mal auf einer offiziellen Single hören würde. Aber die Plattenfirma und der Sänger entscheiden sich dann doch immer für etwas sehr viel poppigeres. "Eraser" wird im Refrain gesungen, allerdings liegt hier ein Filter drüber, der mir jetzt eher nicht so gefällt - da fand ich den Refrain live viel stärker. Dennoch ist es ein guter Einstiegssong, in dem Ed davon erzählt, wie er sich von klein auf als Sänger ausprobiert hat, dies in der Kirche gelernt hat und schließlich zu dem Sänger wurde, der er heute ist. Aber natürlich hat auch dieses Leben Schattenseiten und Ed packt all sein Leid in seine Songs - um sie dann mit einem Radiergummi, alias seine Alben, auslöschen zu können. Tolles Bild!

2. "Castle on the Hill"
Zu diesem Song habe ich NATÜRLICH eine Single-#Rezension geschrieben, schließlich war ich total begeistert von den beiden ersten Singles. Zu der Rezension geht's HIER.

Kurzfassung: Für's Radio ist natürlich eher die andere Single gemacht, aber "Castle on the Hill" gefällt mir von der Story her sehr viel besser und ging mir auch noch nie auf die Nerven - im Gegensatz zu "Shape of You", dass mir zu viel im Radio gespielt wurde. Und jetzt schreibe ich nichts mehr, denn es heißt: Genießen <3



3. "Dive"
Uhh, es wird etwas düsterer. Erinnert mich anfangs etwas an "Thinking Out Loud". Jap und auch der Refrain scheint mir etwas an den Hitsong aus Ed's 2. Studioalbum "x" angelehnt zu sein. Im Hintergrund hört man ein Schlagzeug, allerdings ganz seicht, hier wird nur die Highhead gespielt und an manchen Stellen kommt eine Schelle hinzu. Sonst hört man eine E-Gitarre, die den Lead-Part - neben dem Gesang - übernimmt. Insgesamt wirkt die Nummer wie eine Rock-Ballade aus den 80er/90er-Jahren, die eine Liebe beschreibt, bei der sich Ed nicht sicher ist, in welche Richtung sie gehen wird. Er möchte Gewissheit und erst dann "Baby" genannt werden, wenn die Frau es auch ehrlich meint. Gegen Ende legt Ed alles in seine Stimme, dennoch ist das hier nicht mein Lieblingssong des Albums. Gut, aber nicht umwerfend.


4. "Shape of You"
Zu diesem Song habe ich NATÜRLICH eine Single-#Rezension geschrieben, schließlich war ich total begeistert von den beiden ersten Singles. Zu der Rezension geht's HIER.

Auch hier wieder eine Kurzzusammenfassung: Eindeutig der Stärke der beiden ersten Singles, wenn man an Verkaufszahlen und Radioairplay denkt. Für mich hört sich das total nach Sia an, weshalb ich überrascht bin, dass sie den Song nicht mitgeschrieben hat. Rihanna, die Sängerin, für die der Track eigentlich gedacht war, höre ich da nicht raus. Dennoch: "Shape of You" ist eine großartige Nummer, die uns für immer begleiten wird - glaubt mir!


5. "Perfect"
Wieder sehr Gitarren-lastig, allerdings ehr dezent, sodass man sich auf die erzählte Geschichte konzentrieren muss. Ed beschreibt hier, er hätte sich in ein Mädchen bereits in Kindheitstagen verliebt und tanzt nun mit diesem in der Dunkelheit. Der Text ist wirklich zuckersüß und die Violinen im Refrain sind einfach wunderschön. Gänsehaut durch und durch. Ed überzeugt mich mit diesem Album-Track voll und ganz. DAS MUSS EINE SINGLE WERDEN! Und reiht sich zu seinen emotionalen Tracks perfekt ein (besonders zu "Thinking Out Loud").

6. "Galway Girl"
Juhu, es wird etwas schneller, erneut kommen Rap-Parts zum Einsatz. In diesem Song hört man Irland total raus, was daran liegt, dass das "Galway Girl" in einer irischen Band spielt und sich dabei in einen Engländer verliebt - natürlich in Ed! Gefällt mir als Gesamtpaket bis jetzt wirklich am besten! Wahrscheinlich aus dem Grund, weil es komplett anders klingt als alles, was man derzeit in den Charts hört. Und der Aufbau zum Refrain geht einfach sofort rein. MEGA! Ed, bitte mehr solcher Tracks. Hier hört man eine Weiterentwicklung zu den Vorgänger-Alben. Bis jetzt war alles entweder sehr auf den Mainstream ausgelegt oder erinnerte an alte Werke von Ed. Das ist frisch, aktuell und neu - so muss es sein!

7. "Happier"
Achtung, Trennungsschmerz! Mir kommen tatsächlich die Tränen. Das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert. Magisch. Schmerzlich. Wunderschön. Kennt ihr das? Ein Song ist so traurig, aber gleichzeitig einfach so wunderschön? Das bietet uns Ed auf diesem Track. Der Text ist einfach wahnsinnig gut geschrieben. Respekt. Ich bin sprachlos und werde mir den Song bestimmt noch einige Male anhören.


8. "New Man" 
Ed kommt jetzt ironisch daher - nach einer so emotionalen Nummer wie "Happier", ist das gewagt, aber reißt sofort mit. Das hier wird entweder eine Single mit einem mega coolen, sehr lustigen Video oder ein Lieblingsalbumtrack unter Fans. Und wieder muss ich betonen: Während anfangs die Platte sehr danach klang, alles genauso machen zu wollen wie auf dem Vorgänger, schafft es der Sänger nun mit jedem weiteren Lied, neue Seiten zu zeigen und aktuelle Sounds einzubringen, die dennoch einzigartig sind. Gut so, hoffentlich geht es in diese Richtung weiter.

9. "Heart's Don't Break Around Here"
Akustisch geht es weiter. Nett, live kommt das bestimmt gut an. Aber nach den beiden letzten Knallern, ist es vielleicht etwas deplatziert, auch wenn es im zweiten Teil etwas an Fahrt aufnimmt und dann gar nicht mehr so mau wirkt. Zum Sound des Albums passt es allerdings gut. Dennoch: So richtig umhauen tut es mich jetzt nicht.

10. "What Do I Know?"
Uh, es bleibt akustisch simpel, aber hier ist der Rhythmus sehr mitreißend. Etwas gesellschaftskritisch präsentiert sich der Sänger hier, was mir sehr gut gefällt, schließlich kommt so etwas mehr Varietät in die Thematiken des Albums rein. Ich möchte mitschnippsen und mitsingen (leider kann ich aber den Text noch nicht). Sehr, sehr gut und wieder sehr, sehr anders als alles, was wir auf dem Album bisher gehört haben oder aus dem Radio gewohnt sind. Schön wäre das, wenn man sowas mal öfters während des Autofahrens auf einem Sender hören würde. Seid mutig und veröffentlicht das doch bitte als Single zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem ihr "Gelway Girl" als 3. Single veröffentlicht habt :D

11. "How Do You Feel (Paean)"
Verträumt und romantisch geht es weiter: "How Do You Feel" wurde als Promo-Single bereits veröffentlicht und mit dem unten stehenden Video beworben. Das ist ein Song zum Träumen und Genießen. Die Band im Hintergrund gefällt mir hier besonders gut, erinnert an anderen Album-Tracks wie "Dive". Schöner Song, den man sich gerne anhört und sich einen wunderschönen Frühlingsmorgen mit Sonnenaufgang dabei vorstellt.



12. "Supermarket Flowers"
Als Abschluss der Standard Edition gibt es wieder eine ruhige Nummer, diesmal allerdings nur vom Klavier begleitet. Unglaublich schön mit dem "Hallelujah"-Part im Refrain. Ich glaube, neben der Vielzahl an möglichen Hochzeitssongs, die Ed mit diesem Album liefert, stellt "Supermarket Flowers" wohl das Beerdigungslied dar. Sehr emotional und ein sehr intensiver Abschluss, der die LP zwar nicht abschließt, aber ihr noch einmal einen andere Tonfarbe verpasst.


Deluxe Edition Bonus Tracks:
Für alle, die sich die Deluxe Edition besorgt haben, folgen jetzt noch vier Songs - ob sich diese rentieren, erfahrt ihr jetzt:

13. "Barcelona"
So, man merkt, dass wir die "normale Albumwelt" verlassen und es in die Zusatztracks geht: "Barcelona" klingt schwungvoll, lebensfroh und bunt - genau das Gegenteil zum Abschlusstrack von #Divide. Mir gefallen die Einflüsse der Stadt, die man tatsächlich raushören kann. Dieses spanische Temperament hört an total durch - sehr unterhaltend. So kann es gerne weiter gehen, ich brauche noch einen Uptempo-Kracher auf dieser LP.

14. "Bibia Be Ye Ye"
Schnell geht es weiter. Ich habe das Gefühl, Ed wusste, dass sein Album eher langsamer ist und manche Fans wohl noch einige schnelle Nummer brauchen. Deshalb dachte er sich wohl: "Dann präsentiere ich die halt auf der Deluxe Edition". Cooler Ansatz, weshalb ich auch "Bibia Be Ye Ye" großartig finde, eben weil er gute Stimmung versprüht. Aber Frage: Was soll der Titel heißen? Ein afrikanischer Gesangspart? Fantasiesprache? Auf was bezieht sich das? :D Vom Sound her ist diese Nummer übrigens sehr nah bei "Barcelona" - gut so, schließlich ist der Sommer in den Startlöchern, da braucht man solche Tracks.

15. "Nancy Mulligan"
Hier hört man doch wieder die irische Liedermacherkunst heraus. Ich steh da ja total drauf und finde, dass dieser Einfluss etwas in der aktuellen Chart-Musik fehlt. Schön, dass Ed das aufgreift und tolle Pop-Songs daraus kreiert. Irgendwie klingt das hier nach einer alten, romantischen Geschichte aus dem Mittelalter. Gleichzeitig könnte ich mir vorstellen, dass es um seine Eltern geht, weiß jemand wie diese heißen? Würde mich jetzt tatsächlich total interessieren. Wie auch immer, kann ich sagen: "Nancy Mulligan" gehört zu meinen Lieblingsnummern des Albums!

16. "Save Myself"
So wie der Großteil des Albums war, so hört es auch auf: Langsam, emotional und in sich gekehrt. Wer Ed Sheeran kennt, der weiß, dass er das am besten kann. Ich mag diese Nummer sehr gerne, denn sie ist sehr selbstreflektiert. Man merkt, dass ich Ed hier Gedanken gemacht hat, wie er seine Gefühle in einen Song bringen kann. Es fällt im hörbar schwer, sich dieses Zugeständnis zu machen: Bevor er jemand anderes retten kann, muss er sich erst selbst retten. Und bevor er jemand anderes lieben kann, muss er sich erst selbst lieben.

Ob sich die Deluxe Edition also lohnt? Na, ratet mal? Auf alle Fälle! Wenn nicht diese, welche dann? Für mich ein absolutes MUSS, wenn man sich schon die LP zulegt.

Cover: © Asylum Records/Atlantic Records

Fazit:
Was ist also mein Fazit nach 16 Songs? Zunächst muss ich mir das Album wahrscheinlich noch einmal durchhören, um es gänzlich beurteilen zu können. Mein erster Eindruck ist jedoch, dass man hier versucht einen Wandel aufzuzeigen. Am Anfang des Albums bis ungefähr Titel 5 hört man doch die Ähnlichkeit zu Ed's vorheriger Platte "x" heraus und das störte mich anfangs dann doch etwas, schließlich möchte ich bei einem neuen Album auch einen neuen Sound hören oder zumindest einen Sound, der sich abhebt, auch wenn er die gleichen Wege geht. Außerdem ist es wahrscheinlich für neue Songs schwer, zwischen den beiden ersten Singles "Castle on the Hill" und "Shape of You" zu überzeugen und dann auch noch so, dass man schier begeistert ist von den neuen Tracks. Geht man allerdings weiter, hört sich die Songs ab Titel 6 an, dann erhält man das, für was man hier ist: Neue Sounds, experimentelle Instrumentalisierungen und Einschläge. Dafür stehen die Songs "Galway Girl" und auf der Deluxe Edition definitiv "Nancy Mulligan". Dieser irische Sound, den Ed hier verarbeitet, geht einfach rein und sollte definitiv weiter ausgebaut werden. Ich würde mir fast ein ganzes Album mit diesen Klängen wünschen. Doch auch Songs wie "What Do I Know" und "New Man" schlagen diese experimentellen Wege mit neuem Sound an.

Und was natürlich auf keinem Ed Sheeran-Album fehlen darf: Die emotionalen Nummern, die unter die Haut gehen. Allerdings tun sie das bei mir auch erst ab der zweiten Hälfte. Denn "Perfect" und besonders "Dive" klingen für mich wie Titel, die man geschrieben hat, um besonders nah am Erfolg von "Thinking Out Loud" anschließen zu können. Das wirkt bei mir dann einfach nicht mehr ganz so sehr, denn schließlich gibt es ja bereits "TOL", wenn ich diesen Sound hören möchte. Hier hätte ich mir dann doch etwas mehr Weiterentwicklung gewünscht. Dennoch wird es noch so emotional, wie erhofft: "How Would You Feel", "Supermarket Flowers", "Save Myself" und besonders "Happier" sind Wahnsinnssongs, die wirklich unter die Haut gehen und einem die Tränen in die Augen treiben. Und hier merkt man vielleicht auch den Unterschied zu "Dive": Die Songs sind emotional, weißen aber auch einen neuen Sound auf und sind deshalb auch umso überzeugender - zumindest für mich.

Schlussendlich liefert Ed mit  "÷" ein Album, welches emotional, ergreifend und poppig daher kommt, vornehmlich aber gar nicht die Uptempo-Schiene bedient, wie es sich viele nach "Shape of You" eventuell gewünscht hätten, sondern eher den akustisch-britischen Pop-Sound weiterentwickelt, den man von ihm gewohnt war. Manche mögen etwas enttäuscht sein, da es eben keine Songs wie den Nr. 1-Hit der Platte gibt, für mich reiht sich aber #Divide in Ed's Diskografie nahtlos ein und wird sicherlich zu einem Longplayer, den ich mir des öfteren anhören werde. Folglich heißt das für alle, die das Werk noch anhören werden oder dies vorhaben: Erwartungen zurückschreiben und nicht alles mit "Shape of You" vergleichen. Denn da möchte der Sänger überhaupt nicht hin. Stattdessen auf emotionale Nummern einstellen, die gänzlich anders überzeugen als gedacht. Und ganz wichtig: Auf die Texte hören. Denn ohne die, versteht man nur die Hälfte. Von mir gibt es 4 von 5 Punkte, einfach weil mich die LP nicht von Anfang an mitnehmen konnte. Dennoch bin ich mir sicher: In zwei Jahren, bei der nächsten Album-Veröffentlichung, heißt es dann: So gut wie "÷" ist es aber nicht ;-)

© Billboard
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